Langsames Erwachen aus der Schockstarre

Die letzte Podiumsdiskussion des zweiten Abends des Medien.Mittelpunkt.Ausseerland hat sich mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung für Medien beschäftigt. In der Kohlröserlhütte am Ödensee wurde nach Antworten und Lösungen gesucht.

Von Emilia Garbsch

Ist die Digitalisierung die neue Goldmine, oder der Untergang der Medienbranche? Diese Frage haben Spitzenmanager und -managerinnen von Österreichischen und Deutschen Medien versucht zu beantworten. Einig waren sich Thomas Hinrichs (Informationsdirektor des Bayerischen Rundfunks), Karin Thiller (GF APA), Oliver Voigt (Geschäftsführer der Handelsblatt Mediengruppe) und Lisa Totzauer (Channelmanagerin ORF1) in einem: Medien müssen mit der Digitalisierung mitgehen, um nicht unterzugehen. Moderiert haben Hans-Peter Siebenhaar (Handelsblatt) und Anna-Maria Wallner (Die Presse).

Ein europäisches YouTube

Um gegen die außen-europäischen Technologie-Giganten anzukommen, wird im Rahmen der Diskussion ein europäisches Gegenmodell zu YouTube angedacht. Rundfunkanbieter, Verlage, aber auch Institutionen aus Kultur und Wissenschaft aus ganz Europa sollen auf einer Plattform versammelt werden. Die Idee schied die Geister bei der Podiumsdiskussion.

Hinrichs hält die Umsetzung für eine Notwendigkeit: „Mit der Digitalisierung hat sich eine neue demokratische Öffentlichkeit entwickelt. Wir als Qualitätsmedien müssen den Menschen eine Plattform bieten, um einen demokratischen und kulturellen Diskurs zu fördern. Natürlich wird es schwer mit den großen Plattformen mitzuhalten, weil sie einen Startvorteil haben, aber wir müssen es zumindest versuchen.“

Totzauer sieht die Planung einer europäischen YouTube Alternative kritischer. Sie denkt, die etablierten Plattformen seien nicht mehr zurückzudrängen. Außerdem befürchtet Totzauer einen Markenverlust durch die Plattformgründung. Der ORF stehe für Qualität und genieße Vertrauen. Durch eine zu große Ausweitung könne diese Kundenbindung verloren gehen.

KI’s im Newsroom

Der nächste technologische Schritt ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz. Während China beispielsweise rund 300 Milliarden USD in Forschung und Entwicklung der Technologie gesteckt haben, will die EU 20 Milliarden investieren. Voigt sieht das als Fehler: „Wenn wir da nicht aufpassen, wiederholen wir unsere Fehler und verlieren den Anschluss.“ Vor kurzem hat er ein Team mit der Grundlagenforschung beauftragt und eine KI-Redaktion für das Handelsblatt gegründet.

Finanzierungsprobleme

Die Medienbranche kämpft seit Beginn des Internets und dem Medienwandel mit Finanzierungsproblemen. Die Monopolstellung in der Berichterstattung ist durch Plattformen und Social Media verloren gegangen. „Unternehmen und Politik brauchen keine Massenmedien mehr um Informationen weiterzugeben. Das hat die Medienlandschaft eine Zeit lang in eine Schockstarre versetzt, aber langsam beginnen wir zu reagieren,“ sagt Thiller in der Diskussion. Medien müssen weniger ängstlich an Innovation herangehen, mehr Menschen mit technischem Know-how anstellen, neue Werbemodelle entwickeln und die Konsumenten und Konsumentinnen, etwa durch Paywalls zum Zahlen anregen – dazu gab es einen Konsens am Podium. Trotzauer bezeichnet die GIS für den Erhalt der Unabhängigkeit für essentiell. Digitalisierung sieht sie vor allem als Chance, um direkte Kommunikation und Feedback von der Bevölkerung zu ermöglichen.

Beitragsbild: Experten im Gespräch zu Digitalisierung der Medien  (von links nach rechts): Hans Peter Siebenhaar, Karin Thiller, Oliver Voigt, Lisa Totzauer, Thomas Hinrichs und Anna-Maria Wallner – Foto: Julia Pabst

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