Message Control: Showpolitik oder gelenkte Information?

Der Begriff Message Control ist in vieler Munde. Auch hier beim 6. Medien.Mittelpunkt.Ausseerland haben Politiker, Medienvertreter und das Publikum angeregt über Bedeutung und Interpretation dieses Begriffs diskutiert.

Von Selina Trummer

Am Freitagnachmittag in der Kohlröserlhütte fanden sich unter der Moderation von Michael Köttritsch (Die Presse) die Diskutanten ein: Beate Meinl-Reisinger (Neos), Ernst Sittinger (Kleine Zeitung), Anna-Maria Wallner (Die Presse) und Heidi Glück (CEO Spirit & Support) sollten teils heftig zum Thema „Message Control versus Regierungskritik. Wie können Medien auch im digitalen Zeitalter ihre Unabhängigkeit behalten?“ debattieren.

Über die Definition Message Control lässt sich streiten: Laut Glück handelt es sich um „die professionelle Orchestrierung der Regierungskommunikation“. Wallner spricht von Parteien und Regierungen, die gelenkte Informationen durch ausgewählte Medien an die Öffentlichkeit bringen. „Doch die Verantwortung liegt auch bei uns Journalisten“, betont sie. Man müsse es erkennen und beobachten. Die Neos-Bundesvorsitzende äußert sich kritisch und spricht von Showpolitik. Die substanzielle, nachhaltige Diskussion fehle, da oft nur Wunschvorstellungen bedient würden, meint die Politikerin. Über eines sind sich die Diskutanten aber einig: Dass sich Pressekonferenzen unter Journalisten keiner großen Beliebtheit erfreuen, denn laut Sittinger sollten sich Journalisten ihre Themen immer noch selbst setzen.

Bilder Internet Qualität_-28Die Meinungen unterschieden sich in vielen Bereichen, doch man konnte sich beim ein oder anderen Thema auch einigen. V.l.n.r. Michael Köttritsch, Beate Meinl-Reisinger und Ernst Sittinger – Foto: Julia Pabst

„Uns gäbe es ohne Social Media nicht“

Die Bedeutung von Social Media für klassische Medien ist groß. Sittinger spricht von den großen Vorteilen und Meinl-Reisinger meint sogar, dass es ihre Partei ohne Social Media nicht gäbe. Die Journalistin Wallner verweist darauf, dass diese Medien durch einen Filter konsumiert werden. Neue Plattformen wie sozialen Medien liefern oft unmittelbarere und zugeschnitztere Nachrichten an ihre User.

Was in den 1950ern und 1960ern die Parteizeitungen waren, sind heute Seiten wie „unzensuriert.at“. Im Bereich von Social Media gibt es eine größere Message Control, als im klassischen Journalismus, meint Sittinger.

Zeit für die Selbsthilfegruppe

Das abschließende Thema war das Desinteresse der Jungen an den klassischen Medien und der Kampf um diese Zielgruppe. Wallner argumentiert hier, dass es schon immer Menschen gegeben habe, die sich nicht fürs Zeitunglesen interessierten: “Das war vor 20, 30 Jahren nicht anders.” Die verwendeten Formate werden sich laut Wallner in Richtung Podcasts und bewegtes Bild entwickeln. Ob klassische Medien in zehn Jahren noch immer so relevant sind, hinterfragt sie und sagt auch, dass man eine Selbsthilfegruppe gründen und sich in einen Kreis setzen kann, sollte man Journalisten in der Zukunft wirklich nicht mehr brauchen.

Titelbildunterschrift: Unter der Moderation von Michael Köttritsch (Die Presse) und Anna-Maria Wallner (Die Presse) diskutierten die Teilnehmer Heidi Glück (CEO Spirit & Support), Beate Meinl-Reisinger (Neos) und Ernst Sittinger (Kleine Zeitung) – Foto: Julia Pabst

 

 

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