Reich Reicher Rothschild – Die faszinierende Geschichte des Wiener Welthauses in fünf Generationen

Seevilla in Altaussee. Der Wirtschaftshistoriker Roman Sandgruber spricht im Rahmen seiner Buchpräsentation über die für viele noch bislang unbekannte Geschichte der Familie Rothschild. Die Moderatorin Karin Strobl (Heidi Glück media + public affairs consulting GmbH) durchleuchtet im gemeinsamen Austausch mit dem Buchautor, die Gründe für das historische Vergessen der reichsten Familie Europas der damaligen Zeit.

Von Stefan Pscheider

Heute fast vergessen, beginnt der Aufstieg der Familie Rothschild wie im Märchen: Vom beengten jüdischen Ghetto Frankfurts in die glitzernden Metropolen Europas des 18. Jahrhunderts. Mayer Amschel Rothschild, der erste seiner Generation, erkennt damals Möglichkeiten im Verkauf dringend gebrauchter Kolonialwaren und sorgt so über Generationen für eine finanzielle Unabhängigkeit.

Mit Roman Sandgrubers detailliertem Buch taucht der Leser in eine fast unbekannte Perspektive der Geschichte ein. Fünf jüdische Söhne der zweiten Generation, verteilt auf einem Kontinent, und gerade in Österreich mit nachwirkender Schaffenskraft. Dass ihre Geschichte in unserem Land heute vielen unbekannt ist, ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Wiener Familie Rothschild trotz kräftigem Kapital in der österreichischen Gemeinschaft nie gänzlich akzeptiert wurde. Schuld daran war vor allem der Antisemitismus, der mit dem Aufkommen der Nationalsozialisten und der Vertreibung der Familie Rothschild ab 1938 seinen Höhepunkt fand.

Roman Sandgruber ist in seinem umfangreichen Werk auch ein einmaliger Einblick in die Beziehung von Salomon Rothschild zu Fürst Metternich gelungen. Dass Rothschild, die stets finanziell strauchelnde Habsburger Monarchie kräftig unterstützt hat, ist nur wenigen bekannt. Ebenso, dass Rothschild Metternich die Flucht aus Österreich finanzierte.

Sandgruber lässt den Leser auch an den Charakteren der fünf Wiener Rothschild Erben teilhaben: vom beinharten Kapitalisten bis hin zum Wohltäter deckten die Generationen viele Eigenschaften ab.

Der letzte Wiener Rothschild, Louis Nathaniel, musste Österreich nach einer einjährigen Gefangenschaft durch die Nationalsozialisten verlassen. Sein Vermögen wurde ihm und seiner Familie abgepresst. Er fand in den USA ein neues Zuhause. Als er 1955 in der Karibik ums Leben kam, staunten seine Erben, als er in seinem Testament seine letzte Ruhestätte festgelegt hatte: der Wiener Zentralfriedhof.

Mit 527 Seiten gelingt es Sandgruber eine faszinierende Familiengeschichte ans Tageslicht zu bringen, die bisher verborgen blieb.

Bilder Internet Qualität_-15

Bildunterschrift 1: Roman Sandgubers Begeisterung für die Familie Rothschild zieht sich wie ein Faden durch das Buch und wird auch bei der Buchmesse deutlich – Foto: Julia Pabst
Bildunterschrift 2: Das Buch „Rothschild – Glanz und Untergang des Wiener Welthauses“ – Foto: Julia Pabst
 

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