Susanne Moser-Guntschnig: “Ein Roboter kann nicht auf Kunden eingehen”

Im Gespräch mit der Rewe Group Österreich Pressesprecherin Susanne Moser-Guntschnig erlangt die Medienakademie 2019 Einblicke in die organisatorische Vorgehensweise,welche nötig ist, um Wünsche der Dorfbewohner erfüllen zu können. Was sind die Zukunftsperspektiven ländlicher Supermärkte?

Von Ludmilla Reisinger und Stefan Pscheider

Stefan Pscheider: Laut dem Dorflebenreport 2018 empfinden mehr als 25 Prozent der Befragten, dass Lebensmittelgeschäfte zur Lebendigkeit des Dorflebens beitragen. Wie kann man sich das vorstellen?

Susanne Moser-Guntschnig: Es geht eigentlich gar nicht so sehr um den Begriff “Lebendigkeit”, sondern um “Lebenswert”. Wenn ich zum Beispiel kein Auto brauche und nicht 20 Kilometer zum nächsten Supermarkt fahren muss, um mich zu versorgen, dann macht das einen Ort lebenswert.  Für die Bewohner ist das Lebensqualität.

Pscheider: Können nicht Bauernmärkte eher zur Belebung von Dörfern beitragen als ein Supermarkt?

Moser-Guntschnig: Regionale Produzenten spielen eine wichtige Rolle, denn wir wollen ja Lebensmittel aus dem Ort verkaufen. Dieser Kreislauf und eine gute Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Verkäufer ist extrem wichtig. Insgesamt ist Lebendigkeit aber ein Zusammenspiel aus vielen Dingen – wir von der Rewe Group in Österreich sind da genauso wie die lokalen Produzenten nur ein kleines Rädchen.

Pscheider: Welche Unterschiede gibt es zwischen Kunden am Land und Kunden in der Stadt?

Moser-Guntschnig: Kunden in der Stadt sind an eine enorme Dichte an Lebensmittelläden gewöhnt. Sie kaufen gezielt öfter ein, dafür aber dann auch weniger. Der Kunde am Land dagegen muss aufgrund der Gegebenheiten anders denken: Da braucht man ein Auto, um überhaupt zum Supermarkt zu kommen und dementsprechend  macht man dann auch Großeinkäufe. In der Stadt ist man außerdem ein bisschen hipper, moderner, flexibler und interessierter – einfach eine andere Kundenschicht.

Pscheider: Seit einiger Zeit gibt es die JÖ-Club Karte. Wie wird diese am Land angenommen?

Moser-Guntschnig: Wir haben bereits zwei Millionen JÖ-Karten vergeben – allein in den ersten zwei Wochen. Wir sind da guter Dinge, dass die JÖ-Karte noch weiter angenommen wird. Die digitale Hürde ist allerdings groß. Um ältere Personen, auch aus dem ländlichen Raum, besser einzubinden, haben wir ein schriftliches Anmeldeformular erstellt, das bei der Kassiererin abgegeben werden kann. Außerdem haben wir darauf geachtet, dass im Moment niemand an JÖ vorbeikommt und haben da auch marketingtechnisch viel in die Hand genommen.

Pscheider: Die Zukunftsforscherin Karin Frick betonte in ihrer Rede am Medien.Mittelpunkt, dass teilautomatisierte Supermärkte die Eröffnung kleiner Läden am Land wieder möglich machen könnten. Glauben Sie, dass so die Versorgung in der Provinz besser gedeckt werden kann?

Moser-Guntschnig: Natürlich kann man in Supermärkten einiges automatisch machen. Ein Roboter kann Regale schlichten, sauber machen, Brötchen backen, aber auf Kunden wird er nicht eingehen können. Wir gehen fest davon aus, dass ein persönlicher Ansprechpartner immer besser ist und somit hätten auch die Mitarbeiter mehr Zeit für solche Beratungen. Die Selbstscan-Kasse ist ja auch so eine Sache. Da gibt es immer den Vorwurf, wir würden die Kassiererin ersetzen. Das stimmt nicht. Wir wollen es dem Kunden nur so angenehm wie möglich machen und die Wartezeiten verkürzen. Hier werden in keinem Fall Menschen ersetzt.

Pscheider: Egal wie sich die Zukunft verändert, was darf sich in Supermärkten niemals ändern?

Moser-Guntschnig: Verfügbarkeit, Frische und Preis – das ist einmal ein wichtiger Dreiklang. Außerdem muss das Geschäft natürlich offen sein.

Beitragsbild: “Wir gehen fest davon aus, dass ein persönlicher Ansprechpartner immer besser ist.” berichtet Rewe Group Österreich Pressesprecherin Susanne Moser-Guntschnig – Foto: Julia Pabst

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