Themen für die Welt vor malerischer Traumkulisse

Die Idylle ist perfekt – die Berggipfel sind Schnee bedeckt, die Wiesen blühen und in der stillen Oberfläche des Ödensees spiegeln sich die Abbilder des Nadelwaldes. Zentrum dieser Idylle ist eine Hütte aus Holz, auf deren Terrasse sich gutgelaunte Leute sammeln, viele von ihnen traditionell in Tracht gekleidet. Was wie ein lokales Fest der umliegenden Gemeinden anmutet, entpuppt sich beim näheren Hinschauen als der 6. Medien.Mittelpunkt.Ausseerland 2019. Gut zu erkennen an den Kameras, Mikrofonen und den mehr als 100 Teilnehmern, welche, mit Schreiblock und Stift bewaffnet, eifrig mitschreiben.  

Reportage von Jasmin Spreer

Das Thema der diesjährigen Veranstaltung ist lokal wie global bedeutend: „Das globalisierte Dorf – Provinz gestern, Welt ist heute.“ Eine Woche vor den EU-Wahlen ein spannender Ausgangspunkt. Ein Name, der in Verbindung mit Österreich und der EU immer wieder fällt, ist Wolfang Schüssel. Dieser ist der erste Redner der Veranstaltung und eröffnet mit einer flammenden Rede – reist mit den Zuhörern verbal durch die Probleme der Welt, zu den Problemen der EU. Als man schon fast zurecht davon überzeugt ist, warum die Europäer die am negativsten eingestellten Bewohner der Erde sind, kommt die Wende und Schüssel endet positiv aber realistisch. Österreich hat viel profitiert von der EU, wichtig ist aber, Chancen zu erkennen.

Nach dem politischen Exkurs geht es in die Zukunft. Die Forscherin Karin Frick entwirft Visionen von futuristischen Brillen, emotionalen Robotern und einer Zero Waste Plattform. Während sie spricht, entschwindet langsam das Tageslicht über dem Ödensee. Vielleicht ein Paradoxon von fantastischen Zukünften zu hören, wenn im Hintergrund am Ende doch alles seinen Jahrtausenden alten Gang geht. Aber eigentlich auch sehr beruhigend.  Den Abschluss machen Vertreter lokalen Firmen mit internationalem Weltrang – wie passend bei dem Motto. Ihr Resümee ist eindeutig – ohne Digitalisierung hat man im täglichen Wettbewerb verloren, doch ohne regionale Mitarbeiter auch – ein schönes Schlusswort und der perfekte Übergang zum typisch österreichischen Abendessen bestehend aus Knödel, Sauerkraut und Topfenstrudel.

Aufgegessen wurde am Abend offensichtlich, denn am nächsten Tag strahlt die Sonne mit aller Kraft und in Verbindung mit dem wunderschönen Altausseersee ist die Buchpräsentation von Historiker Roman Sandgruber in der Seevilla ein spannende Reise in die Vergangenheit der Wiener Familie Rothschild vor beruhigender Kulisse. Diese innere Ruhe ist auch sehr nützlich für den weiteren Nachmittag, denn die Themen, welche im Rahmen des Medien.Mittelpunkt.Ausseerland diskutiert werden, sind explosiv. Während am ersten Tag die Podiumsdiskutanten noch friedlich miteinander umgegangen sind – wird am zweiten Tag debattiert – vielleicht schon fast gestritten. Die Grenze ist ja bekanntermaßen schmal. Den Anfang machen Beate Meinl-Reisinger (NEOS), Ernst Sittinger (Kleine Zeitung), Anna Maria Wallner (Die Presse) und Heidi Glück zum Thema Message Control vs. Regierungskritik. Einigkeit herrscht keine – die einen betonen, es dauere zu lange bis man Informationen bekommt, die anderen, sie lassen sich eh nichts sagen und auch das Thema Social Media kommt nicht zu kurz. Explosiv geht’s danach im Austausch zwischen Othmar Karas (EU-Spitzenkandidat ÖVP) und Christoph Leitl (Präsident der Europäischen Wirtschaftskammer) auch weiter. Debattiert wird über Österreich und Europa und da kommt man selten auf einen Nenner. Aber dass die Idee Europa großartig ist, bestreitet keiner. Abgeschlossen wird der Tag mit der Diskussion zur Digitalisierung der Medien mit einigen großen Vertretern wie Karin Thiller (GF APA), Oliver Voigt ( Geschäftsführer der Handels Mediengrupppe), Thomas Hinrichs (Informationsdirektor des Bayrischen Rundfunks) und Lias Totzauer (Channelmanagerin ORF1). Zusammenfassend sind sich alle einig, dass sich durch die technischen Neuerungen viel verändert hat. Von Diskussionen über Europa, und die Welt geht’s abschließend zurück in die wunderschöne Region und zwar kulinarisch. Der Tag endet bei Schweinsbraten, Kasnocken und Palatschinken mit Blaubeeren.

Alle guten Dinge sind drei, dementsprechend wird dieser Medienmittelpunkt am nächsten Morgen an einem weiteren See in einem lockeren Austausch mit Chefredakteur Martin Kotynek (Der Standard), Anna Maria Wallner (Die Presse) und Karin Strobl über die Zukunft des Journalismus abgeschlossen.

Es endet wie es begonnen hat: In idyllischer Umgebung, Spiegelungen in der Seeoberfläche, und der Sonne im Gesicht. Jetzt mit dem Wissen, dass Themen, welche die Welt bewegen, genauso die Hotspots betreffen wie die vermeintliche Provinz.

Bildunterschriften: Herrliche Stimmung bei dem 6. Medien.Mittelpunkt.Ausseerland – Fotos: Julia Pabst

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